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Mimi's Märchen

Wußtest Du, dass Mimi auch Märchen schreibt - und natürlich auch erzählt?
...als Vorgeschmack schon mal folgendes Märchen:

Blubb, der Regentropfen...

Heute regnet es. Darum möchte ich diese Geschichte erzählen:

Vor langer Zeit herrschte in einem Land grosse Trockenheit und Dürre. Seit Monaten hatte es nicht mehr geregnet. Oftmals zogen sich dicke Wolken am Himmel zusammen, doch die Sonne war stets stärker und verbrannte den so herbeigesehnten Regen. Die Menschen lebten in grosser Not, denn sie hatten kaum mehr etwas, was sie essen konnten. Die Felder waren verdorrt. Sogar die Brunnen fingen schon an auszutrocknen.

In dieser Zeit lebte ein kleiner Regentropfen weit, weit oben in einer Wolke. Er hiess Blubb. Jeden Tag spielte er mit den anderen Regentropfen fangen, verstecken und andere lustige Spiele. Blubb war der Kleinste, doch er war auch der Unternehmungslustigste von allen. Eines Tages kam es ihm in den Sinn, einen Ausflug zu machen. Die anderen warnten ihn davor, denn es war sehr gefährlich aus dem grossen Wolkenhaus herauszugehen. Die Sonne war stark, viel stärker als die kleinen Regentropfen. Sie konnte jeden von ihnen vernichten. Doch Blubbs Neugier war stärker als die Angst. Er war fest entschlossen, sich auf die Reise zu machen. zuvor aber stärkte er sich mit Tautrank, der an den Wänden der Wolke herunterlief. Dann packte er noch Tautropfen in seinen Rucksack, so viel er tragen konnte und machte sich auf die Reise, die sehr, sehr lange dauern würde. Am Himmel schwebten viele Wolken: grosse, kleine; einige sahen aus wie Schäfchen, andere wie Schleier. Vor den dunklen Wolken fürchtete sich Blubb ein wenig. Sie waren ihm unheimlich. Manchmal machte er auf einer Wolke Rast und stärkte sich mit einigen Tautropfen. Immer näher kam er der Erde, immer weniger Wolken begleiteten ihn. Blubb flog direkt auf jenes Land zu, in dem es so lange nicht geregnet hatte. Schliesslich war er so weit unten, dass er alles genau beobachten konnte. Blubb war noch nie auf der Erde gewesen. Seine Heimat waren stets die Wolken. Doch er wusste, wofür Wasser gebraucht wurde. Oft hatten andere Regentropfen von ihren Erlebnissen erzählt. Er erkannte, welche Gefahr auf diesem Land lag, wie grosse Not bei den Menschen und Tieren herrschte, die hier lebten. Er beobachtete Füchse, Rehe, Hasen und viele andere Tiere, die matt und müde irgendwo lagen. Er sah Menschen, welche traurig umhergingen, Kinder, die vor Not weinten. Da überkam ihn grosses Mitgefühl. Er wollte sofort zu seiner Wolke zurückkehren, damit er seinen Freunden alles erzählen konnte. Doch die Rückreise war sehr viel mühsamer als der Weg auf die Erde. Oftmals musste Blubb eine Pause einlegen. Er spürte die heisse Sonne immer stärker. Auch seine Tautropfen wurden langsam aufgebraucht. Doch der kleine Regentropfen wollte und musste durchhalten.  Wieder musste er auf einer Wolke Rast machen. Er war müde, müde wie nie zuvor. Und da war es passiert: Blubb war vor Erschöpfung eingeschlafen. Als er wieder zu sich kam, war er im Inneren der Wolke, auf die er sich gesetzt hatte. Blubb erschrak erst sehr, denn es war dunkel und kalt hier. Auch die unbekannten Tropfen, die ihn beobachteten, waren ganz schwarz. Doch schliesslich fragten sie ihn, wie er zu ihnen gekommen war. Sie hatten eine sehr tiefe doch auch beruhigende Stimme. So erzählte Blubb von seiner langen Reise, von dem Land, in dem so grosse Not herrschte und von seinem Wunsch, diesem Land zu helfen.
Die Wolke aber war eine Regenwolke. Sie war sehr schwer und wollte ihr Wasser schon lange loswerden. Alles, was Blubb erzählte, hörte sie aufmerksam mit an. Wie froh war dieser, als sie sich bereit erklärte, auf das Land herabzuregnen.

Grosse FREUDE herrschte, als der ersehnte Regen auf Menschen und Tiere fiel. Die Kinder tanzten vor Glück. Pflanzen und Bäume wurden wieder grün. Die Wolke, welche nun wieder leer und leicht war, brachte Blubb zu seinem Hause am Himmel zurück. Dort wurde ein grosses Willkommensfest gefeiert, und alle freuten sich über seine Rückkehr. Blubb aber freute sich am meisten darüber, dass er dem Land auf der Erde hatte helfen können, und er freute sich auch, so viele neue Himmelsfreunde gefunden zu haben.

delia
(geschrieben 1988)
aus: "Delias Märcheninsel"

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